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Georg Hahn: Vom Sinn des Todes

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Georg Hahn: Vom Sinn des Todes

Texte aus drei Jahrtausenden

Zürich: Swedenborg Verlag, 1975
318 Seiten | Hardcover | ISBN: 978-3-85927-227-9

Seitdem im hellenistischen Alexandria die Literaturgattung der Anthologien erfunden wurde, hat es nur selten eine Sammlung von einem solchen Gewicht gegeben, wie sie dieses Buch darstellt. Das Grundproblem alles menschlichen Lebens, die Frage des Todes als Ende und Ziel zugleich, wird hier nicht theoretisch diskutiert, sondern durch die Jahrtausende hindurch über große Räume hinweg verfolgt, und diejenigen, die darüber wirklich etwas zu sagen hatten, kommen selbst zu Worte. Man kann dieses Buch, an dem der Verfasser jahrzehntelang gearbeitet hat, mit der Nüchternheit eines Historikers oder Literaturhistorikers lesen, man kann es auch kritisch oder sogar verzweifelt zur Kenntnis nehmen, man kann in ihm aber auch wählend und prüfend sowohl mit dem Kopf wie mit dem Herzen Richtungen und Wege finden, die die Stellungnahme zum eigenen Tod und Sterben erleichtern, vor allem in Zeiten wie unserem Jahrhundert, in dem der Tod greifbarer denn je in die Nähe jedes Einzelnen gerückt ist, nicht nur in zwei Weltkriegen, sondern bei jedem Flugzeugabsturz und Autounfall.
Zu dem allem also hat dieses Buch viel zu sagen. Ob die Stimmen aus dem fernen Osten oder aus der griechischen Antike, aus der mittelalterlichen Versonnenheit oder aus der scharfen Klarheit der Aufklärung, aus moderner Wissenschaft oder Philosophie kommen, das ist alles ein gesamtes Feld von unendlichem Reichtum, einem Reichtum, der allein in den ungeheuren Spannungen deutlich wird. Man greife nur einige Typen dieser Aussagen heraus:
Da ist die Spannung in der Bewertung des Todes: Auf der einen Seite klingt es immer wieder: "Oh süßer Tod"; der Tod ist schön, Erlösung, "Eternal rest" und Seligkeit schlechthin. Auf der anderen Seite klingt es ebenso deutlich: "Oh Tod, wie bitter bist du"; da grinsen die Skelette höhnisch und böse aus den Worten, und die Vergänglichkeit ist nicht etwa etwas Natürliches und Ersehntes, sondern etwas Widernatürliches und Böses. Dazwischen aber ist eine Verbindung gesucht: Es lohnt sich gar nicht, über den Tod zu reden, er ist so selbstverständlich wie Essen, Trinken und Schlafen.
Prof. Carl Schneider, Speyer